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Predictive Analytic Systems und die Notwendigkeit vorausschauender Behandlungsplanung

Beginn:
5. Sep 2019, 17:30
Ende:
5. Sep 2019, 19:00
Kurs-Nr.:
887
Preis:
Kostenfrei
Ort:
HS 3
Plätze:
30
Trainer:

Beschreibung

Predictive Analytic Systems und die Notwendigkeit vorausschauender Behandlungsplanung


Die Begriffe „Sicherheit“ und „Lebensqualität“ spielen bei der Planung und Anwendung digitaler Systeme zur Unterstützung älter Menschen im häuslichen Setting eine zentrale Rolle. Predictive Analytic Systems etwa bieten Möglichkeiten, auf prekäre Ereignisse zu reagieren, die für ältere Menschen in ihrer häuslichen Umgebung zu lebensbedrohlichen Zuständen führen können. Ziel dieser Technologien ist eine höhere Sicherheit in Erwartung gleichzeitig erhöhter Lebensqualität älterer Menschen. Diese "vorausschauenden" digitalen Systeme sind jedoch nicht in der Lage, alle möglichen Szenarien einer Gefährdung zu überblicken und für eine umfassende Sicherheit zu sorgen. Denn Risiken bleiben trotz digitaler technologischer Versorgung und trotz des Anspruchs solcher Systeme, beispielsweise Stürze vorhersagen zu können, aufgrund der Unabwägbarkeit und der Kontingenz des menschlichen Lebens bestehen. So kann etwa ein Sturz als ein multifaktorielles Geschehen nicht effektiv vorausgesagt und Komplikationen nicht ausgeschlossen werden [1]. Auch kann es trotz Predictive Analytic Systems nach einem solchen Ereignis zu Situationen der Einwilligungsunfähigkeit kommen, etwa durch ein Schädel-Hirn-Trauma, bei dem die Fragen, ob und welche medizinischen Maßnahmen von der betroffenen Person gewünscht werden, von weitreichender Bedeutung sind. Eine wesentliche ethische Frage im Zusammenhang mit dem Einsatz digitaler Technologien aus dem Bereich der Predictive Analytics Systems lautet, ob nicht notwendigerweise bei solchen Systemen eine Beratung etwa nach dem Konzept Advance Care Planning (ACP) [2] zielführend ist, um „Leerstellen“ oder „blinde Flecken“ dieser vorausschauenden technologischen Systeme bei der Notfallversorgung zu füllen. Anhand eines Fallbeispiels [3] werden mögliche „blinde Flecken“ digitaler Technologie exemplarisch identifiziert. Dabei wird in diesem Beispiel die Möglichkeit von ACP als ein potentielles Beratungsangebot in Zusammenhang mit Predicitve Analytic Systems durchdacht. Als eine pflegeethische Reflexion der Möglichkeiten und Grenzen solcher Systeme wird die Notwendigkeit vorausschauender Behandlungsplanung als Erweiterung des Sicherheitsgedankens in technologiebasierten Versorgungsarrangements diskutiert. Die sich an dem Fallbeispiel orientierende Analyse hat neben der Lückenhaftigkeit von Predictive Analytic Systems und der Notwendigkeit, ACP in die entsprechende Versorgung einzubeziehen, die Kontingenz menschlichen Lebens als conditio humana mit zu reflektieren. Und der Begriff der Sicherheit als eine zentrale Forderung muss einhergehen mit dem Bemühen der Entwickler*innen von Smart-Home-Technologien, über ihr eigenes Angebot hinaus vorausschauend zu planen und auch nichttechnologische Unterstützungssysteme unbedingt in ihr Portfolio einzubeziehen.

Literatur

[1] Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.) (2013): Expertenstandard Sturzprophylaxe in der Pflege. Osnabrück. [2] Coors M, Jox RJ, in der Schmitten J (Hrsg.) (2015), Advance Care Planning. Von der Patientenverfügung zur gesundheitlichen Vorausplanung. Stuttgart. [3] Beinke, J. H., Meier, P., Nickenig, H.-P. & Teuteberg, F., (2017). Smart Home Predictive Analytics. In: Eibl, M. & Gaedke, M. (Hrsg.), Informatik 2017. Gesellschaft für Informatik. (S. 1225-1236).

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